Zum Schluss: Fragen und Antworten

Veröffentlicht am 10.05.2022 in Abgeordnete

Zum Abschluss meiner Wahlperiode haben mich meine Mitarbeiter:innen gefragt, was sie schon immer wissen wollten: Politisches, Privates, Ernstes und weniger ernst Gemeintes. 

GU + DP: Es ist 2017… würdest du nochmal für den Landtag kandidieren?

Selbstverständlich und immer wieder. Als Abgeordnete die Landespolitik mitzugestalten, ist eine große Ehre. Die Möglichkeiten und die Kontakte, die man als Landtagsabgeordnete hat, sich für die Menschen seines Wahlkreises einsetzen zu können, ist etwas Großartiges. 

 

GU: Warum wird in der Politik so wenig gesagt, wenn etwas gesagt wird?

Der Anspruch an Politiker:innen, alles zu wissen, ist sehr hoch. Politiker:innen sollen zu allem eine Meinung äußern können. Natürlich soll auch alles Hand und Fuß haben. Welcher Mensch ist aber ein laufender Computer? Meist hat man aber nur die Zeit, sich Chauffeur-Wissen anzueignen. Es ist normal und legitim, dass man Zuarbeit von Referenten oder Mitarbeitern bekommt. Wer selbst nicht in der Materie steckt, wird also alles vortragen, was ihm zugearbeitet wurde. Lieber zu viel als zu wenig sagen.  Außerdem: Wenn man spricht wie ein Wasserfall, kann wenigstens niemand nachfragen. Vielleicht ist das ein Grund?

 

GU Was ist an dir sozialdemokratisch?

Sozial und demokratisch sind meine Grundeinstellungen. Ich bin als ältestes Mädchen mit 4 Geschwistern aufgewachsen. Da lernt man das Teilen und Rücksichtnehmen, aber auch das Kämpfen. Mir sagte mal jemand: „So wie Du bist, gehörst Du in die SPD.“ 

 

JSCH: In Lübeck gab es in der letzten Legislaturperiode viele Parteiaustritte und Fraktionswechsel von Mitgliedern der Bürgerschaft. Wie stehst Du dazu?

Früher hat man seinen Platz in der Bürgerschaft für Nachrücker freigemacht, wenn man mit der Arbeit der Fraktion nicht einverstanden war. Leider erlebt Lübeck mit der Zersplitterung der Bürgerschaft gerade einen Tiefpunkt der Demokratie. Ich sehe es kritisch, wenn Abgeordnete zwischenzeitlich anderen Parteien beitreten und ihr Mandat behalten. Ich finde, das ist respektlos gegenüber den Wählern und spiegelt leider eine zunehmende Ich-Bezogenheit in unserer Gesellschaft wider. 

 

JSCH: Was ist für Dich sozialdemokratische Politik?

Sozialdemokratische Politik ist für mich, der Mehrheit der Menschen in unserem Land die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Dazu gehören für mich Chancengleichheit, aber auch das Fordern eigener Aktivität.

 

JSCH: Wie stehst Du zu Rekommunalisierungen von Pflege- und Gesundheitseinrichtungen?

Pflege- und Gesundheitseinrichtungen sind meines Erachtens unverzichtbare Bestandteile der Daseinsvorsorge. Gewinnorientierung darf kein Kriterium sein, sondern das Wohl der Menschen. Insofern gehören sie in staatliche Hand. 

 

DP: Was haben Lieferketten mit der SPD zu tun?

Als ich meinen Antrag zum Lieferkettengesetz im Sommer 2020 in den Landtag einbrachte, war der Begriff des Lieferkettengesetzes den meisten meiner Kolleg:innen noch unbekannt. Inzwischen dürfte fast jeder und jede erkannt haben, dass wir zuverlässige Lieferketten brauchen. Die Prozesse entlang der Lieferketten sollten gerade uns als SPD ganz besonders interessieren. Wie ist die soziale Absicherung der arbeitenden Menschen. Wie sind ihre Lebensbedingungen? Ur-sozialdemokratische Fragen.

 

DP: Was ist das Besondere an Nächten in Indien?

Das Besondere an Nächten in Indien ist, dass ich sie erleben durfte. Als Sprecherin für Eine-Welt-Politik hatte ich die Gelegenheit, an einer Delegationsreise nach Indien teilnehmen. Hier besuchten wir mehrere Projekte zum Umgang mit den Folgen des Klimawandels. Nächte in Indien gemeinsam mit Menschen zu erleben, die voller Neugier auf diesen Subkontinent sind und jeden Moment in sich aufsaugen, das ist etwas ganz Besonderes.

 

JSCH: Hast Du erreicht, was Du Dir gewünscht hast?

Auf mein Landtagsmandat bezogen war mein wichtigstes Ziel, eine Stimme für die Menschen aus meinem Wahlkreis im Schleswig-Holsteinischen Landtag zu sein. Ich wollte eine nahbare Abgeordnete sein. Nach den Rückmeldungen, die ich gerade in den letzten Wochen bekomme, war ich auf einem guten Weg.

In meinem Leben habe ich bisher weit mehr erreicht, als ich mir je erträumen konnte und habe ja auch noch einige Jahre vor mir. 

 

DP: Kiel oder Lübeck? Oder Penzlin?

Lübeck hat alles: vom städtischen Flair über Grünflächen bis hin zu dörflichen Strukturen.  Hier fühle ich mich schon mehr als 25 Jahre sehr wohl. In Kiel muss man genauer hinschauen. Dann bemerkt man auch dort die schönen Hinterhöfe und das Grün. Mit meinem Geburtsort Penzlin verbindet mich außer meiner Geburt nur noch ein einmaliges Vier-Generationen-Treff nach über 50 Jahren. Lübeck ist mein Favorit. 

 

DP: Matjes oder Lachs?

Eindeutig: Fisch!

 

GU: Anna Lena oder Robert?

Ich habe Robert Habeck im Landtag erlebt. Anna Lena Baerbock erlebe ich in ihrer neuen Funktion als Außenministerin. Sie zeigt, dass sie ihren Job draufhat - mit Charme und klarer Sprache. Anna Lena.

 

GU: Wer ist die größte Nervensäge in Lübeck?

Ich kenne nur eine Person, über die ich so etwas sagen kann, ohne zu verletzen. Wer unseren Stellvertretenden Stadtpräsidenten Ulrich Pluschkell einmal erlebt hat, weiß: Wenn dieser etwas anpackt, dann nervt er, bis die Sache erledigt ist. Woher er die Power über so viele Jahre nimmt, ist mir ein Rätsel. Ich ziehe meinen Hut davor!

 

JSCH: Welchen Rat würdest Du den neuen Lübecker Landtagsabgeordneten geben?

Bodenständigkeit und der stetige Bezug zu den Menschen im Wahlkreis schaden nicht.