Wahlkreiswoche - Herbst 2021 - 06.10.2021

Veröffentlicht am 06.10.2021 in Abgeordnete

Sitzungsfreie Zeit. Es ist wieder Wahlkreiswoche. – Vor Ort bei der Fachwerkstatt für blinde und sehbehinderte Menschen innerhalb der Vorwerker Diakonie

Am 6. Oktober 2021 besuchte ich im Rahmen meiner regelmäßigen Wahlkreiswochen die Fachwerkstatt für blinde und sehbehinderte Menschen der Vorwerker Diakonie.  Mich begleiteten Gabriele Ulrich und Burghard Speckmann vom SPD-Ortsverein Vorwerk Falkenfeld. In der Weberei zeigte uns eine stark sehbehinderte Mitarbeiterin, wie sie gerissene Fäden erfühlt und wieder verknotet. Diese Vorgänge kann sie gut bewältigen. Ihre Probleme liegen ganz woanders. So haben sehbehinderte Menschen große Schwierigkeiten, aufgrund der spärlichen Beleuchtung an den Bushaltestellen die Fahrpläne zu lesen. Nach der Verlagerung der Werkstatt in den Seeretzer Weg sind zudem bewährte Hinweisschilder und die Beleuchtung von der Haltestelle bis zur Werkstatt nicht mehr auf die Sehbeeinträchtigungen eingestellt. Richtig gefährlich für die blinden und sehbehinderten Menschen sind aber die vielen im Weg liegenden oder stehenden E-Roller. Die Mitarbeiterin bat uns, hier für Abhilfe zu sorgen. Diese Anregungen habe wir für den kommunalen Bereich aufgenommen.

In der Bürstenmacherei waren wir beeindruckt von den Fertigkeiten der Menschen mit Behinderung.  Bei der Verarbeitung von Altkleidern bekamen wir zahlreiche Informationen zu der Verwertbarkeit von Materialien. So sind die Mischgewebe kaum und Kleidung aus Polyester gar nicht verwertbar. Wer macht sich darüber schon beim Kauf Gedanken?

Die Leiterin der Fachwerkstatt Frau Plagmann informierte uns anschließend über die Ausbildung und Fortbildungsmöglichkeiten für die Mitarbeiter:innen, aber auch über die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes. Frau Plagmann machte uns darauf aufmerksam, dass sich die Einrichtungen für Menschen mit Behinderung während des Lockdowns vergessen fühlten. Sie schilderte uns zudem die Herausforderungen bei der Beschäftigung von Menschen mit ganz unterschiedlichen Einschränkungen und Fähigkeiten. Da sich die Beschäftigten sehr kurzfristig für einen anderen Einsatzort entscheiden dürfen, würde ein individueller Betreuungsschlüssel mehr Sinn machen als der jetzige starre von einer Betreuungskraft auf 12 Beschäftigte. Viel Entlastung würde es auch bringen und den jungen Menschen Sozialkompetenz vermitteln, wenn das soziale Jahr wieder eingeführt werden könnte.

Ob in der Weberei oder der Bürstenmacherei, ich habe eine Menge an interessanten Informationen und Eindrücken mitgenommen! In der „Manufaktur für Schönes“ in den Schüsselbuden habe ich später Bürsten aus der Fachwerkstatt entdeckt. In meinem inneren Auge sehe ich jetzt die Abläufe dahinter, vom Borsten einfädeln bis zum „Frisieren“ und habe ein Bild von den sehbehinderten Menschen, denen diese Arbeit so viel bedeutet.